Test 2012: Pflegezusatzversicherung Öko-Test

Nachdem wir uns in der letzten Woche den Test von Stiftung Warentest angeschaut haben, schauen wir heute einmal, wie die Zeitschrift Öko-Test die Tarife der Pflegezusatzversicherung bewertet. Vorweg sei schon einmal gesagt, dass beide Tests nicht im Gleichschritt über die Ziellinie laufen. Tarife, die bei der Stiftung Warentest noch auf dem Siegertreppchen standen, müssen sich bei der Bewertung der Zeitschrift Ökotest, teilweise mit einem Platz in der Verfolgergruppe zurechtfinden. Zunächst schauen wir uns aber einmal die Bewertung an. Zeigen, welche Tarife dieses mal das Rennen gemacht haben und welche Tarife dem Urteil von Öko Test nach, eher nicht zu empfehlen sind. Am Ende dieses Artikel wollen wir uns dann bemühen aufzuzeigen, wie es zu diesen unterschiedlichen Bewertungen kommen kann und werden auch ein Fazit dazu ziehen. Während Stiftung Warentest ihren Test an zwei Altergruppen festgemacht hat (45 und 55 Jahre), geht Öko-Test einen Schritt weiter und zieht vier Altersstufen als Bewertungsgrundlage heran (35, 55, 60 und 65 Jahre). Zur einfachen Veranschaulichung konzentrieren wir uns heute auf die Altersstufen 35 und 55 Jahre, für Männer und Frauen.

  • Nicht berücksichtigt und durchgängig mit Note 6 (sehr teuer) wurden die vier Tarife bewertet, die in allen Pflegestufen 100 Prozent leisten.
  • Nicht berücksichtigt und durchgängig mit Note 1 (sehr hoch) wurden die vier Tarife bewertet, die in allen Pflegestufen 100 Prozent leisten.

Im Modellfall Frau, 35 Jahre, gibt es zwölf Tarife, die auf den 2. Rang eingestuft wurden:

Gut zu bewerten ist, dass alle diese zwölf Tarife auch die volle Leistung bei Laienpflege gewärleisten. Schlecht hingegen ist zu bewerten, dass die Hälfte der Tarife, die auf dem zweiten Rang landen, keine Beitragsbefreiung im Pflegefall vorsehen. Einer (Allianz), erst ab Pflegestufe III. Auf den hinteren Plätzen finden wir die LVM mit ihrem Tarif PZT und die UKV mit ihrem Tarif PTE. Kurz und knapp gesagt aber auf den Punkt gebracht. Sie leisten einfach zu schlecht. Zwar ist der Tarif der UKV mit einem Monatsbeitrag von 15,40 EUR auch der günstigste. Aber es ist nicht wirklich sinnvoll, sich monatlich rund 5-10 EUR zu sparen, um dann im Pflegefall hunderte EUR weniger zu bekommen.

Im Modellfall Frau, 55 Jahre, gibt es noch ganze zehn Tarife, die sich auf dem 2. Rang einfinden:

Was sofort in’s Auge sticht, sind die teils gravierend unterschiedlichen Beitragssummen. Während für den Testsieger in dieser Alterskategorie mit 53,95 EUR am wenigsten bezahlt werden muss, muss man zum Beispiel für die Vigo (Düsseldorfer Versicherung) schon 140,60 EUR berappen. Allerdings macht sich das dann natürlich auch in der Gesamtzahlung bemerkbar. Einer Leistung von 48.234,32 EUR bei der DKV, stehen 90.450,00 EUR bei der Düsseldorfer gegenüber.

Im Modellfall Mann, 35 Jahre, gibt es dreizehn Tarife, die sich auf dem 2. Rang wieder finden:

Auch hier gibt es wieder enorme preisliche Unterschiede. Den günstigsten Tarif aus der Kategorie der Spitzenplätze, bekommt man bei der DKV. 13,25 EUR sind monatlich zu leisten. Am meisten bezahlen muss man für den 421+421B von der Gesellschaft Münchner Verein. Nämlich 35 EUR. Immerhin das rund dreifache. Die Gesamtzahlung hingegen macht allerdings nicht das dreifache aus. Einem Betrag von 36.972,53 EUR, steht eine Gesamtzahlung bei der Münchner Verein von 72.450,00 EUR gegenüber.

Im Modellfall Mann, 55 Jahre, schaffen es ganze 10 Tarife auf den 2.Rang

Auffällig und interessant ist, dass die beiden Kooperationspartner Bayerische Bematenkrankenkasse und die UKV, den exakt selben Tarif anbieten, welcher doch unterschiedlich bewertet wird. Im Grunde ist alles identisch. Von der Beitragssumme, über die einzelnen Zahlungen, bis hin zu den Parametern wie „Beitragsfreiheit im Pflegefall“, „Volle Leistung auch bei Laienpflege“ etc. Den einzigen Unterschied findet man beim Punkt „Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote von 2005 – 2009“. Diese gibt in Prozent an, wie viel von den jährlichen Einnahmen durch den Beitrag nach Abzug der Aufwendungen für Schäden und Kosten übrig bleiben. Die Bayerische Beamtenkrankenkasse kommt hier auf einen Wert von 5,66. Die UKV auf einen Wert von 9,80. Nun stellt sich die Frage, wie es zu diesem Unterschieden kommen kann. Eine Antwort darauf zu finden, ist nicht ganz einfach. Es kann sein, dass die eine Gesellschaft mehr Versichterte hat, die krank sind. Es kann sein, dass die eine Gesellschaft weniger Versicherte hat. Um das rauszufiltern, sollte man die Bilanz lesen. Was an dieser Stelle eindeutig zu weit geht. Fakt ist, dass der exakt selbe Tarif bei der UKV wirtschaftlicher als der bei der Bayerischen Beamtenkrankenkasse ist.

Finanztest – Stiftung Warentest vs. Öko-Test

Schaut man sich nun beide Testergebnise an, findet man teilweise gravierende Unterschiede. Beispielsweise beim Modellfall Frau, 55 Jahre. Während beim Test von Finanztest, die VGH, die Allianz und die Debeka noch die Plätze 2-4 belegten, sind sie im Ranking von Öko-Test nicht einmal unter den ersten zehn Plätzen zu finden, die das Prädikat „Gut“ bekommen haben. Dass es zu deartigen Abweichungen kommt, liegt darin begründet, dass beides mal unterschiedliche Bewertungsgrundlagen zugrunde gelegt wurden und diese dann mitunter auch noch verschieden gewichtet wurden. Für denjenigen, der sich für einen der bewerteten Tarife interessiert, macht es die Sache nicht unbedingt einfacher bzw. kann unter Umständen nur noch mehr verwirren. Generell gesehen, geht Öko-Test etwas transparenter an die Sache ran. Merkmale wie z.B. die Wartezeit für Leistungen oder auch die Dynamik eines Tarifes, sind separat aufgeführt. Finanztest gliedert solche Einzelpunkte unter dem Begriff „Weitere Vertragsbedingungen“ und gibt diesen Einzelwerten, einen eigenen Gesamtwert, der dann mit in die Bewertung einfliest. Man muss es ganz deutlich sagen: Solche Tests sind ok. Mehr aber auch nicht. Sie können einen ersten Überblick geben über die Produktpalette aber am Ende ersetzen sie noch lange keinen Fachmann. Man kann sich einen Tarif auskucken, der bei einem dieser Tests super abgeschnitten hat. Wendet man sich dann an einen Berater und teilt ihm seine individuellen Wünsche mit, ist es naheliegend, dass der ausgesuchte Tarif, plötzlich für die eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr so attraktiv ist.

Generelle Wertigkeit von solchen Test

Wie verwirrend ein solcher Test sein kann, bzw. dass die Wertigkeit zumindest etwas in Frage gestellt werden kann, sieht man beim Ranking von Öko-Test ganz gut. Als Beispiel nehmen wir aus dem Modellfall Mann, 55 Jahre, die beiden Tarife der Münchner Verein, die sich beide direkt hintereinander auf dem zweiten Rang befinden.

SC Pflege 421 + 421B SC Pflege 421
Monatsbeitrag 83,95 EUR 79,50 EUR
Zahlung gesamt 72.450,00 EUR 68.610,15 EUR
Demenzversichert nein nein
Volle Leistung auch bei Laienpflege ja ja
Beitragsfrei im Pflegefall ab Stufe I nein
Einmalige Pauschale nein nein
Dynamik leicht eingeschränkt leicht eingeschränkt
Wartezeit für Leistungen 3 Jahre 3 Jahre
Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote 8,50 8,50
Nettoverzinsung 4,0 4,0
Gesamtnote 2,3 2,3

Vergleicht man diese beiden Tarife, stellt man fest, dass sie nahezu identisch sind. Für rund 4,50 EUR / Monat mehr, bekommt man rund 4.000 EUR mehr an Leistung und was noch viel wichtiger ist, die Zahlung entfällt im Pflegefall ab Pflegestufe I. Gerade das ist ein wirklich positiver Apsekt einer Pflegezusatzversicherung. Die Frage stellt sich also, warum diese beiden Tarife exakt gleich eingestuft werden. Die rund 4,50 EUR, die der SC Pflege 421 + 421B teurer ist, können doch nicht wirklich der Grund sein, die beiden Unterschiede, also sprich die positiven Aspekte im Vergleich zum SC Pflege 421, aufzuwiegen.

Fazit

Wie man es dreht und wendet. Ein Weg, einen für sich geeigneten Tarif zu finden, sind solche Testergebnise nicht. Sie ersetzen in keinster Weise einen ausgewiesenen Fachmann, der einen individuell und im besten Fall auch noch objektiv beraten kann. Will man eine solide Absicherung für die Zukunft haben, darf man sich auf solche Tests nicht zu 100% verlassen.

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