Test 2012: Pflegezusatzversicherung Stiftung Warentest

Dass manche Menschen in Deutschland – vorwiegend Männer – Unterhalt zu bezahlen haben, ist hinlänglich bekannt. Ist die Beziehung der Eltern gescheitert und die Kinder leben bei einem Elternteil, so hat das andere Elternteil monatlich einen gewissen Betrag an Unterhalt zu leisten. So weit so gut. Aber nicht nur für Kinder kann Unterhalt anfallen, auch für die Eltern. Sind die Eltern Pflegebedürftig und müssen in einem Heim untergebracht werden, kommen schnell einmal 3.000 bis 4.000 EUR im Monat zusammen. Der Anteil, den die gesetzliche Pflegeversicherung in der Pflegestufe III übernimmt, liegt dagegen bei rund 1.500 EUR. Die Differenz muss nun irgendwoher kommen. Zunächst einmal geht es an das Einkommen und das Vermögen der Eltern. Lebt zum Beispiel nur die Mutter im Pflegeheim, muss als erstes der Ehemann für die Pflege aufkommen. Ist dort auch nichts zu holen, geht es an das Hab und Gut der Eltern. Das Eigenheim muss – sofern nicht einer der Elternteile noch darin lebt – verkauft werden. Lediglich Möbel (sofern sie keine Luxusgüter sind) und ein sogenannter Notgroschen von 2.600 EUR in Bar, dürfen behalten werden. Sind diese Ressourcen alle aufgebraucht, sind die Kinder in der Pflicht. 1.500 EUR sind quasi unantastbar, alles was darüber hinaus geht, ist somit für die Kosten das Pflegeplatzes einzusetzen. Nicht zuletzt um diesen Ernstfall abzusichern, empfiehlt es sich, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Doch welche ist die Richtige, welche leistet auch wirklich gut und deckt das in dem Maße ab, wie ich mir das wünsche? Auch hier gibt es natürlich Testberichte einschlägiger Magazine. Heute schauen wir uns den derzeit aktuellen Test von Finanztest 02/2011 mal etwas genauer an. In der kommenden Woche knöpfen wir uns dann den Test der Zeitschrift Ökotest 03/11 vor.

Pflegezusatzversicherung Finanztest – Stiftung Warentest

Getestet wurden bei Finanztest 30 Pflegetagegeldtarife, jeweils getrennt für Frauen und Männer, die bei Abschluss des Vertrages 45 oder 55 Jahre alt sind. Daraus ergeben sich etwaige Beitragsummen von rund 55 EUR für eine 45-jährige Frau und rund 70 EUR für eine 55-jährige Frau. Bei Männern wurden 40 EUR für einen 45-jährigen und 55 EUR für einen 55-jährigen Mann geschätzt. Als Bewertungsgrundlagen zieht Finanztest folgende Kriterien zugrunde:

  • Preis- Leistungsverhältnis
  • Beitrag
  • Beitrag entfällt im Pflegefall
  • Monatliche Leistung abzüglich Beitrag
  • Weitere Vertragsbedingungen

Im Modelfall Frau 45 Jahre, Beitrag rund 55 EUR gibt es fünf Tarife, die mit einem “Gut” die vorderen Plätze belegen.

  • DKV mit ihrem Tarif PET (1,7)
  • VGH mit ihrem Tarif PTG (1,9)
  • Allianz mit ihrem Tarif PZT Best (2,1)
  • Hanse Merkur mit ihrem Tarif PTA (2,3)
  • Concordia mit ihrem Tarif PT (2,5)

Auffällig ist, dass die Concordia die einzige Gesellschaft ist, die mit ihrem Tarif PT komplett auf die Beitragszahlungen verzichtet, wenn der Pflegefall eintritt. Egal ob in Pflegestufe I, II oder III. Die Leistungshöhe hingegen ist im Vergleich zu den anderen Tarifen im Spitzentrio eher mager. Die Allianz, die den mittleren Platz in diesem Spitzentrio belegt, gewährt den Wegfall der Beitragszahlung zumindest teilweise (In Pflegestufe III). Zudem punktet die Allianz wie keine andere Gesellschaft mit dem Kriterium der weiteren Vertragsbedingungen. Hier konnte eine fantastische 1,0 erzielt werden.  Aber auch hier ist die Leistungshöhe im Vergleich eher schlecht. In der Pflegestufe III im stationären Bereich ganze 800 EUR weniger im Monat als der Testsieger, die DKV. Diese hingegen punktet mit sehr guten Leistungen und einem ingesamten Preis- Leistungsverhältnis mit einer Benotung von 1,5.
Auf den folgenden Plätzen finden sich 16 Tarife mit dem Testurteil “Befriedigend” und weitere 7 Tarife mit dem Urteil “ausreichend”.

Im Modelfall Frau 55 Jahre, Beitrag rund 70 EUR, gibt es 7 Tarife, die die Führungspositionen einnehmen:

  • DKV mit ihrem Tarif PET (1,7)
  • VGH mit ihrem Tarif PTG (1,9)
  • Allianz mit ihrem Tarif PZT Best (2,2)
  • Debeka mit ihrem Tarif PVZ (2,3)
  • Huk-Coburg mit ihrem Tarif PT Premium (2,5)
  • LVM mit ihrem Tarif PZT-Komfort (2,5)

Im Vergleich zum Modelfall Frau, 45 Jahre, ist hier die Concordia aus den vorderen Plätzen rausgefallen. Aufgeschlossen haben dagegen die Debeka, die Huk-Coburg und die LVM. Die Concordia fällt deswegen aus der Spitzengruppe raus, weil sie ihre ohnehin nicht wirklich guten Leistungen, um weitere 33% nach unten fährt. Die 3 Gesellschaften, die dafür in die Kategorie “Gut” aufgerückt sind, vermindern ihre Leistungshöhen zwar auch, allerdings nicht so drastisch wie die Concordia. Die rote Laterne, die im Beispiel der 45-jährigen Frau, noch die LKH mit einer Benotung des Preis- Leistungsverhältnis von 4,4 inne hatte, hat sie nun der UKV mit einer Benotung des Preis- Leistungsverhältnis von 3,9 übergeben.

Im Modelfall Mann 45 Jahre, Beitrag rund 40 EUR gibt es vier Tarife, die mit einem “Gut” die vorderen Plätze belegen.

Auch hier treffen wir die alten Bekannten wieder. Das Feld ist zwar auf vier Tarife zusammen geschrumpft, wird aber von den Gesellschaften belegt, die wir oben schon mit vorn dabei hatten.

  • Allianz mit ihrem Tarif PZTBest (1,9)
  • DKV mit ihrem Tarif PET (2,2)
  • Huk-Coburg mit ihrem Tarif PT Premium (2,4)
  • Concordia mit ihrem Tarif PT (2,5)

Die Allianz, die hier weiterhin mit einer 1,0 bei den weiteren Vertragsbedingungen aufwarten kann und auch bei einem Mann auf die Weiterzahlung der Beiträge bei Pflegestufe III verzichtet, holte sich den ersten Platz durch die deutlich höheren Leistungen, zum Vergleich mit einer gleichaltrigen Frau. Einer Erstattung von 1.800 EUR in Pflegestufe III, bei Stationärer Behandlung für eine Frau, steht bei einem Mann eine Erstattung von 2.250 EUR gegenüber. Somit hat sich die Allianz in diesem Sektor die Spitzenposition verdient. Schlußlicht bildet dieses mal die Central mit einer Benotung im Preis- Leistungsverhältnis von 4,0.

Im Modelfall Mann 55 Jahre, Beitrag rund 55 EUR, gibt es 4 Tarife, die die Führungspositionen einnehmen:

  • Allianz mit ihrem Tarif PZTBest
  • DKV mit ihrem Tarif PET
  • Huk-Coburg mit ihrem Tarif PT Premium
  • LVM mit ihrem Tarif PZT-Komfort

Ganz vorn tut sich dieses Mal also gar nichts. Die Allianz behält ihre Führungsposition vor der DKV und vor der Huk-Coburg. Die Führungsgruppe verlassen muss dieses mal die Concordia, die sich in diesem Alterssektor nur noch im Mittelfeld wiederfindet. Aufgerückt an die Platzierung der Concordia ist die LVM mit einer Benotung im Preis- Leistungsverhältnis von 2,3. Und auch ganz unten tut sich dieses Mal gar nichts. Die rote Laterne bleibt bei der Central, die sich mit einer 4,1 sogar noch ein wenig verschlechtert hat.

Fazit

Beschränkt auf diese beiden Alterklassen bei Männern und Frauen, kann man zumindest feststellen, dass in diesem Durchlauf der Zeitschrift Finanztest an der Spitze eine gewisse Konstanz zu erkennen ist. Die Allianz und die DKV mischen hier in allen vier Fallbeispielen in der Spitzegruppe mit. Und mit ein paar wenigen Ausreißern, gibt es ansonsten lediglich kleine Verschiebungen. So schön und so penibel Finanztest dies in ihrem Test auch dargestellt hat, so deutlich muss man auch festhalten, dass diese Bewertung nur einen wirklich ganz groben Anhaltspunkt geben kann. Die Pflegezusatzversicherung ist viel zu komplex, als dass man daraus brauchbare Schlüsse auf den passenden Tarif ziehen kann. Tarife, die hier evtl. gut abschneiden, fallen eventuell ganz raus, nachdem ein Fachmann den Markt anhand aller Faktoren und Begleitumständen für den individuellen Fall beleuchtet hat.  Wie eingangs schon erwähnt, wollen wir uns in der kommenden Woche dem Test der Zeitschrift Ökotest widmen. Die Barmenia, die zum Beispiel im Fallbeispiel Mann, 55 Jahre, einen Platz im grauen Mittelfeld belegt hatte, findet sich hier plötzlich auf dem zweiten Platz wieder. Warum und weshalb, beleuchten wir wie gesagt in der nächsten Woche.
Eine letzte Anmerkung zum Schluss noch: Auch durch diesen Artikel wird sehr schnell deutlich, wie die Preisschere zwischen einer Frau und einem Mann aussieht. Also liebe Männer, handelt bis zum 21.12.2012 und sichert Euch die Vorteile der Bisextarife ehe es zu spät ist.

Banner pflegezusatz.inovexx.de

Ein Gedanke zu „Test 2012: Pflegezusatzversicherung Stiftung Warentest

  1. Mittlerweile haben sich noch die „Pflege-Bahr-Tarife“ eingefunden. Die Policen erhalten im Test jedoch weniger gute Noten. Die Stiftung Warentest erkennt hier weitaus schlechtere Versicherungsbedingungen. Das sagt ja eigentlich schon alles.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.